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ISLAND

Kaum ein Land wirkt so ursprünglich wie Island. Gletscher schieben sich bis ans Meer, Wasserfälle stürzen aus dem Nichts in tiefe Schluchten, und schwarze Lavastrände treffen auf die raue Brandung des Nordatlantiks. Dazwischen liegen dampfende Erdspalten, moosbedeckte Lavafelder und Weiten, in denen der Horizont kein Ende zu haben scheint. Das Licht ändert sich im Minutentakt und macht jede Landschaft zu einem einmaligen Moment.

Reykjavík

Reykjavík ist die nördlichste Hauptstadt der Welt und zugleich eine der ungewöhnlichsten. Farbenfrohe Wellblechhäuser säumen die Straßen, über allem ragt die markante Hallgrímskirkja mit ihrer an Basaltsäulen erinnernden Fassade. Am Hafen spiegelt die gläserne Harpa das wechselnde Licht des Nordatlantiks, und nur wenige Schritte weiter öffnet sich der Blick auf Meer und schneebedeckte Berge. Eine Stadt, in der Architektur und Natur nie weit voneinander entfernt sind.

Þingvellir-Nationalpark

Im Þingvellir-Nationalpark lässt sich zusehen, wie die Erde sich bewegt. Hier driften die Nordamerikanische und die Eurasische Platte jedes Jahr um rund zwei Zentimeter auseinander und hinterlassen tiefe Spalten, schroffe Felswände und kristallklares Wasser. Zugleich ist Þingvellir ein Ort von großer historischer Bedeutung: Im Jahr 930 trat hier erstmals das Althing zusammen, eines der ältesten Parlamente der Welt. Seit 2004 gehört der Park zum UNESCO-Welterbe.

Gullfoss & Strokkur

Nur rund zehn Kilometer voneinander entfernt zeigen Gullfoss und Strokkur zwei völlig unterschiedliche Seiten Islands. Am Gullfoss, dem „Goldenen Wasserfall“, stürzt der Gletscherfluss Hvítá in zwei gewaltigen Stufen in eine tiefe Schlucht, eingehüllt in Gischt und oft von einem Regenbogen begleitet. Im Geothermalgebiet Haukadalur dagegen brodelt es unter der Erde: Der Geysir Strokkur schleudert alle paar Minuten eine Fontäne aus kochendem Wasser bis zu 20 Meter und mehr in die Höhe. Direkt daneben liegt der Große Geysir, der allen Geysiren der Welt ihren Namen gab.

Markarfljót Flussdelta

Der Markarfljót ist einer der großen Gletscherflüsse im Süden Islands. Gespeist vom Schmelzwasser der Gletscher, bahnt er sich seinen Weg aus dem Hochland durch tiefe Schluchten, vorbei an der Region Þórsmörk und hinaus in die weite Ebene bis zum Atlantik. Dort verzweigt er sich in unzählige Arme, die sich ständig neu formen und die dunklen Sanderflächen in ein lebendiges Muster aus Wasser und Stein verwandeln. Im Hintergrund ragt der Eyjafjallajökull auf, dessen Ausbruch 2010 weltweit Schlagzeilen machte.

Eldhraun

Eldhraun, das „Feuerlavafeld“, entstand beim Ausbruch der Laki-Spalte in den Jahren 1783 und 1784, einer der gewaltigsten Vulkaneruptionen der Geschichte. Die Lava bedeckte über 500 Quadratkilometer Land, und die Folgen waren in ganz Europa zu spüren: Giftige Gase und Asche führten zu extremen Wetterlagen, Missernten und Hungersnöten. Manche Historiker sehen darin sogar einen der Auslöser für die Französische Revolution. Heute liegt über den erstarrten Gesteinsmassen ein dicker, weicher Teppich aus Moos, der sich in Grün-, Grau- und Gelbtönen bis zum Horizont erstreckt. Ein Ort, an dem Zerstörung und Neubeginn untrennbar miteinander verbunden sind.

Jökulsárlón & Diamond Beach

Am Rand des Vatnajökull, des größten Gletschers Islands, liegt die Gletscherlagune Jökulsárlón. Hier brechen mächtige Eisberge von der Gletscherzunge ab und treiben langsam über das milchig-türkise Wasser, in dem sich häufig Robben zeigen. Die Lagune ist erst im 20. Jahrhundert entstanden und wächst mit dem Rückzug des Gletschers stetig weiter. Durch einen kurzen Abfluss gelangt das Eis schließlich ins Meer und wird am gegenüberliegenden Strand wieder an Land gespült. Dort, am Diamond Beach, glitzern die Eisbrocken wie Juwelen auf dem schwarzen Vulkansand.

Fjallsárlón

Nur wenige Kilometer westlich von Jökulsárlón liegt Fjallsárlón, eine kleinere, aber nicht minder beeindruckende Gletscherlagune. Gespeist wird sie vom Fjallsjökull, einer Gletscherzunge des mächtigen Vatnajökull, die sich direkt bis ins Wasser schiebt. Anders als bei der bekannteren Nachbarlagune ist die Abbruchkante des Gletschers hier ganz nah und in ihrer vollen Größe zu erleben. Eisberge in Weiß, Grau und tiefem Blau treiben über das Wasser, während im Hintergrund die Gipfel des Öræfajökull aufragen, auf dem sich der höchste Berg Islands befindet.

Fjaðrárgljúfur

Die Schlucht Fjaðrárgljúfur im Süden Islands gehört zu den spektakulärsten Landschaften des Landes. Rund zwei Kilometer lang und bis zu 100 Meter tief, windet sie sich in weiten Bögen durch das Gelände. Entstanden ist sie am Ende der letzten Eiszeit, als Schmelzwasser eines Gletschersees sich über Jahrtausende in den weichen Tuffstein grub. Heute schlängelt sich der kleine Fluss Fjaðrá durch die Tiefe, während die steilen Felswände von sattgrünem Moos überzogen sind. Vom Rand der Schlucht eröffnen sich immer neue Ausblicke, die fast unwirklich schön wirken.

Landmannalaugar

Mitten im isländischen Hochland, im Naturschutzgebiet Fjallabak, liegt Landmannalaugar, eine der außergewöhnlichsten Landschaften Islands. Die Berge aus Rhyolith leuchten in Rot, Gelb, Grün, Rosa und Blau, durchzogen von dampfenden Spalten und schwarzen Obsidianfeldern. Zwischen den Hängen liegen heiße Quellen, in denen sich unter freiem Himmel baden lässt. Landmannalaugar ist zudem Ausgangspunkt des Laugavegur, einer der bekanntesten Wanderrouten der Welt. Erreichbar ist das Gebiet nur über Hochlandpisten und meist nur in den Sommermonaten, was seine Abgeschiedenheit noch eindrucksvoller macht.

Vík & Reynisfjara

Vík í Mýrdal ist das südlichste Dorf Islands, eingebettet zwischen grünen Hängen, dem Gletscher Mýrdalsjökull und dem offenen Atlantik. Über den Häusern thront die kleine Kirche mit rotem Dach, eines der bekanntesten Motive der Südküste. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Reynisfjara, einer der eindrucksvollsten Strände der Welt: tiefschwarzer Vulkansand, donnernde Brandung und mächtige Basaltsäulen, die sich wie Orgelpfeifen an der Klippe auftürmen. Die Basalthöhle Hálsanefshellir wirkt wie von Menschenhand gemeißelt. Vor der Küste ragen die Felsnadeln von Reynisdrangar aus dem Meer, der Legende nach zwei Trolle, die beim Versuch, ein Schiff an Land zu ziehen, vom ersten Sonnenlicht in Stein verwandelt wurden.

Dyrhólaey & Arnardrangur

Die Halbinsel Dyrhólaey ragt rund 120 Meter hoch über die Südküste Islands und war lange Zeit der südlichste Punkt des Landes. Ihr Wahrzeichen ist ein gewaltiger Felsbogen, durch den das Meer tost und der der Landzunge ihren Namen gab: „Insel mit dem Türloch“. Auf dem Plateau steht ein kleiner weißer Leuchtturm, von dem aus sich ein weiter Blick über schwarze Strände, die Reynisdrangar und die Gletscher im Hinterland eröffnet. Vor der Küste erhebt sich der Arnardrangur, der „Adlerfelsen“, auf dem einst Seeadler nisteten. Im Sommer brüten an den Klippen unzählige Seevögel, darunter auch Papageitaucher.

Skógafoss

Skógafoss gehört zu den größten und schönsten Wasserfällen Islands. Rund 60 Meter tief und etwa 25 Meter breit stürzt der Fluss Skógá über eine Klippe, die einst die Küstenlinie des Landes bildete. Die aufsteigende Gischt lässt an sonnigen Tagen fast immer einen Regenbogen entstehen, manchmal sogar zwei. Auf den saftig grünen Wiesen rund um den Wasserfall grasen oft Islandschafe, die den Sommer über frei durch die Landschaft ziehen und das Bild perfekt machen. Über mehr als 500 Stufen führt ein Weg hinauf zur Abbruchkante, von wo aus sich der Blick über die weite Ebene bis zum Meer öffnet. Der Legende nach versteckte ein Wikinger namens Þrasi hinter dem Wasserfall eine Truhe voller Gold, die bis heute nicht gefunden wurde.

Seltún & Krýsuvík

Auf der Halbinsel Reykjanes, nur rund eine Autostunde von Reykjavík entfernt, liegt das Geothermalgebiet Krýsuvík mit seinem bekanntesten Teil Seltún. Hier kocht und zischt es aus dem Boden: Schlammtöpfe blubbern, heiße Quellen dampfen, und aus Spalten steigt schwefelhaltiger Nebel auf. Die Mineralien haben die Hänge in leuchtendes Gelb, Ocker, Rot und Grün gefärbt und verwandeln die Landschaft in eine lebendige Farbpalette. Über Holzstege lässt sich das Gebiet sicher erkunden, begleitet vom unverkennbaren Geruch nach Schwefel.

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